Nie war ich so froh über unsere Food Coop!

Diesen Satz höre ich in letzter Zeit immer wieder. Auch Interessensbekundungen und Neuzugänge treten gehäuft auf. Kein Wunder, denn nur wir kennen alle Bauern in der Region, nur unsere Lebensmittel wachsen tatsächlich in Reichweite! Umständliche Lieferketten und ähnliche Unwägbarkeiten betreffen uns kaum.

Es ist schön zu sehen, dass das Food Coop-Konzept doch schon ein bisschen bekannt ist, und noch schöner, dass einige jetzt aktiv werden und bei uns einsteigen – wenn auch aus dramatischem Anlass. Und weil die wirksamsten Maßnahmen oft die einfachsten sind, schreibe ich hier einfach mal zusammen, was ich persönlich für sinnvoll halte und konsequent praktiziere:

  • Stay at home – außer, es ist wirklich, wirklich wichtig. Wie z.B. ins Freie gehen. (irgendwohin, wo keine Leute sind) Ich möchte hier die offiziellen Vorgaben nicht wiederholen, aber rausgehen an die frische Luft und in die Sonne ist erlaubt und äußerst wichtig, um widerstandsfähig und bei Laune zu bleiben.
    Auch unsere Lebensmittel-Abholmöglichkeiten haben wir maximal gestreut, das Lager ist unseren Teilnehmer*innen derzeit frei zugänglich, alle Foodies haben den Schlüssel-Code bekommen. Food Coop-Treffen gibt es bis auf weiteres nicht. :-/
  • Gut essen: Die meisten haben jetzt eh viel Zeit, und wie man sieht, steht frisches Gemüse hoch im Kurs. Der Darm ist ja unser größtes Immunorgan, und er freut sich über vielfältige Ballaststoffe aus Gemüse. Kohlgemüse sind bekanntermaßen aktivierend fürs Immunsystem, es leben die Krautfleckerl! Weiters Brokkoli, alle Rettiche/Radieschen, Kohlrabi. Die TCM empfiehlt ganz allgemein selbstgekochtes Essen aus saisonalen Lebensmitteln – da liegen wir mit der Food Coop goldrichtig.
  • Kräuter sammeln zum Kochen: entweder im Garten oder beim Spazierengehen. Besonders immunstärkend und antibiotisch sind Scharfstoffe, die haben jetzt im Frühling ohnehin Saison. Esst euch also satt an Bärlauch, Hirtentäschel, Knoblauchrauke, Wiesenschaumkraut, Kresse und was euch sonst noch an Scharfem unterkommt. Wirklich robust werden wir durch Vielfalt und Abwechslung. Im Garten wächst jetzt Löwenzahn, Primeln, Sauerampfer, Spitzwegerich, Gundelrebe/Gundermann, Vogelmiere, Efeublättriger Ehrenpreis, Wiesengeranien, Schafgarbe, Brennnesseln, … ganz von selbst und kosten überhaupt nichts. Basics zum Kochen mit Wildkräutern findet ihr hier.
  • Kräuter sammeln für Hausmittel: Kräutertee kochen – was ist naheliegender? Und weil ich gerade bei der Brennnessel war: Bina Aicher hat mir diesbezüglich soeben einen Ausschnitt aus der legendären „Apotheke Gottes“ von Maria Treben geschickt: Die Brennnesseln wachsen bereits, und auch wenn man bei der Infektabwehr nicht unbedingt an Brennnesseln denkt, sollen sie (sagt außer Maria Treben auch die Forschung) eine sehr starke Wirkung aufs Immunsystem haben. Danke, Bina! 🙂
  • Desinfektionsspray (überarbeitet!): wann immer ich „draußen“ war. Hier zwei Rezepte von der WHO zum Selbermischen! Die Zutaten sollten die Apotheken auf Lager haben. Ergibt jeweils 1 Liter. Der Alkohol tötet die Viren, das Wasserstoffperoxid hält die Mischung keimfrei, das Glycerin pflegt die Haut.
    • Ethanol 96 %: 833 ml
      Wasserstoffperoxid 3 %: 42 ml
      Glycerin 98 %: 15 ml
      ODER
    • Isopropanol 99,8 %: 750 ml
      Wasserstoffperoxid 3 %: 42 ml
      Glycerin 98 %: 15 ml
      Beide Mischungen können natürlich mit ätherischen Ölen eurer Wahl beduftet werden, vorzugsweise solche mit virenhemmender Wirkung.
    • Mein bisheriges Hausrezept („duftet“ allerdings sehr stark!) – möglicherweise nur begrenzt viruzid:
      90 ml Vodka in eine 100 ml-Sprühflasche geben und ca. 60 Tropfen ätherische Öle dazu tropfen. Vor jeder Anwendung schütteln.
      Viele ätherische Öle töten Viren ab, und weil kein Keim dem anderen gleicht, halte ich eine Kombination aus mehreren Ölen für sinnvoll. Wer nicht so eine große Auswahl zuhause hat, nimmt einfach das, was zur Hand ist – das Internet gibt Aufschluss, was virenhemmend ist und was nicht.
      Ich nehme Teebaumöl, Manuka, Niauli, Melisse, Schafgarbe, Zitrone, Orange süß, Weihrauch, Bay St. Thomas, Benzoe siam, Zitronenmyrte, Salbei, Thymian, Cistus …
      Statt Vodka oder Schnaps (ca. 40 %) geht auch Ansatzkorn (80 %), den aber verdünnen – z.B. 2:1 mit Rosen- oder einem anderen Hydrolat.
  • Nasendusche Neti: wann immer ich draußen war. Geht auch ohne Spezialkanne.
    1/2 Mokkalöffel Salz (egal welches) in 100 ml Wasser auflösen. Etwas anwärmen (soll weder kalt noch warm sein) und in ein kleines, weitrandiges Gefäß geben. Überm Waschbecken einen Nasenflügel eintauchen. Vorsichtig Wasser einsaugen, bis es beim anderen Nasenloch herausrinnt. Dasselbe auf der anderen Seite. Taschentücher bereitlegen! Nach der Nase wird auch noch der Rachen gespült: Einfach mit der restlichen Salzlösung gurgeln.
    Statt Wasser kann man auch milden Salbei- oder ähnlichen Kräutertee nehmen.
    Die Salzmenge kann auf Wunsch erhöht werden. Zur Vorbeugung ist die angegebene Konzentration gut (spült und befeuchtet). Im Krankheitsfall darf es schon schärfer sein, dadurch stößt die Nasen- und Rachenschleimhaut die alte Schleimschicht mitsamt den eingenisteten Keimen ab und bildet eine neue. Die Flimmerhärchen der Nasenschleimhaut werden wieder frei und können wieder besser arbeiten.
    Das Gefäß von Zeit zu Zeit abkochen und mit niemandem teilen!! 😉
  • Teebaumöl: nach dem Duschen ein paar Tropfen mit der Körpermilch verteilen. Geht ins Blut und unterstützt die Immunabwehr. Wenns schnell gehen soll, reicht es auch, die Füße/Fußsohlen einzureiben.
  • Propolistropfen: 2 – 3 mal täglich mit Honig
    Einen halben Teelöffel Honig vom Löffel schlecken und im Mund behalten. Auf denselben Löffel 15 – 20 Tropfen Propolistinktur geben und mit dem Honig langsam schlucken. (unser Propolislieferant: Bieno/Gablitz)
  • Spezialtee mit Baumpilz: Wer Schmetterlingstrameten erkennt (im Heilpilzhandel heißen sie „Coriolus“), kann sich leicht selbst damit versorgen, denn sie sind ganzjährig verfügbar und sehr häufig.

    Rezept: Die Schmetterlingstrameten sauberbürsteln und mit der Schere in feine Streifen schneiden. Davon 2 EL mit 1/2 Liter Wasser erhitzen, aufkochen und 10 Min. ziehen lassen. Abseihen und über den Tag verteilt in drei Portionen trinken. Nach Belieben mit Waldhonig süßen. Ein vorbeugender und heilsamer Tee in Grippezeiten, am besten 1 Monat lang jeweils im Frühling und im Herbst.
    Den Rest trocknen zur späteren Verwendung, davon nur 1 EL auf 1/2 Wasser.
    (Das ist eine Vorschau auf mein im Herbst erscheinendes Buch über heimische Heilpilze. :D)

 

 

Es wächst, es wächst!!

Schönen sonnigen Vorfrühlings-Morgen!

Die besten Lebensmittel gibt es natürlich bei uns in der Food Coop, aber die allerbesten kann man jetzt schon im Garten oder beim Spazierengehen finden. Hier in unserer Gegend aktuell ganz oben auf der Speisekarte:

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  • Bärlauch: Jeder kennt ihn, (fast?) alle lieben ihn, und manche kaufen ihn lieber im Geschäft. Zu respekteinflößend sind seine Doppelgänger, als dass man ein Risiko eingehen will. Einfacher Tipp: Schau auf die Stiele! Beim Bärlauch hat jedes Blatt seinen eigenen, und der ist kantig. Genauer 2-kantig, eine links, eine rechts, dazwischen eine kleine Rinne. (Maiglöckchen haben einen gemeinsamen, runden Stiel, und die Herbstzeitlosen haben gar keinen.) Sein durchschlagender Gesundheitswert ist legendär, angeblich fressen ihn sogar die Bären nach dem Winterschlaf, um die Verdauung wieder zu aktivieren. Wie Knoblauch tötet er Krankheitserreger ab (Harnwegs- und Atemwegsinfekte!), und er hat einen senkenden Einfluss auf erhöhte Cholesterinwerte. Zur Verwendung gibt es beim Bärlauch wohl keinen Erklärungsbedarf.
  • Primeln: das sind die, die jetzt gerade in unseren Gärten blühen – in niedrigen, gelben Pölsterchen. Wie Schlüsselblumen, nur ohne die langen Stiele. Blüten und Blätter sind gleichermaßen essbar, doch schmecken die grünen Blätter viel würziger. Das Aroma erinnert an Anis. Wem das zu arg ist, der kann weniger nehmen, ganz klein schneiden und in Salat oder Aufstrich mischen, dann fügt es sich gut ein. Die Inhaltsstoffe verbessern die Aufnahme von Nährstoffen aus der gesamten Mahlzeit und tun nebenbei unseren Schleimhäuten gut.
  • Efeu-Ehrenpreis: Auch eines der ganz frühen Frühlingskräuter. Er ist sehr niedrig (teils kriechend), bis 10 cm hoch. Wächst vereinzelt im Gras oder flächig und hat kleine, vierblättrige, blaue Blüten (die bei mir noch nicht aufgeblüht sind). Die ganze Pflanze ist fein behaart. Der Stiel (jaja, immer die Stiele!!) ist oft rotbraun überlaufen, und die grünen Blätter sind rundlich-gelappt und erinnern … genau: an Efeu-Blätter. Sie sind blassgrün und glänzen nicht. Efeu-Ehrenpreis schmeckt erfreulicherweise nicht bitter. (im Gegensatz zu den meisten anderen Wildkräutern) Durch den milden Geschmack passt er überall dazu, sogar aufs Marmeladebrot. Einfach klein schnippeln und unterrühren – egal ob Salat oder Suppe.

Wildkräuter am besten unerhitzt (aber gut gewaschen) und roh verwenden, oder in fertigen Speisen kurz mitdünsten oder nochmal mit aufkochen.

Mahlzeit!
LG Gerit
rapunzelgarten.wordpress.com

Happy Birthday, Food Coop Wienerwald!

1 Jahr Food Coop Wienerwald …
das war 1 Jahr intensives Gestalten, fröhliches Improvisieren, Frust und Freude, viel Arbeit, immer wieder neue Menschen und neue Welten kennen lernen, und natürlich:
1 Jahr so bodenständig, nachhaltig, köstlich und hochwertig essen, wie es nicht vielen Menschen möglich ist! Auch wenn noch nicht alles rund läuft – unsere Food Coop bietet uns Möglichkeiten, von denen viele nur träumen können. Und als angenehme Nebenwirkung dürfen wir uns rühmen, zur Erhaltung (klein)bäuerlicher Strukturen in diesem Land beizutragen, zum Schutz von Wasser und Boden, von ökologischer und kulinarischer Vielfalt. Ein HOCH auf unsere Food Coop! 😀

Kommt und feiert mit uns am 22. November, es sind alle herzlich willkommen!

Kürbis-Kartoffel-Maroni-Curry. Zur Erdung des Bäuchleins im Herbst.

Der Herbst lädt zum Kochen ein. Man muss sich nur die leuchtenden Orange-Gelb-Töne der Blätter an den Bäumen ansehen … Da fällt einem gleich der Kürbis ein. Nicht nur schnitzen kann man ihn, sondern auch essen – es gibt unzählige Geschmacksrichtungen und Formen. Die gute alte Kartoffel ist vor allem in den kalten Wintermonaten nicht wegzudenken, und unsere Nachbarn in Südtirol sorgen dafür, dass die Edelkastanie nicht in Vergessenheit gerät. Deshalb gibt es jetzt dieses feine Rezept für euch!

Kürbis-Kartoffel-Maroni Curry (4 Pers.)Kürbis - anastase-maragos-nvODILueiO0-unsplash_10

  • 1 Tasse rote oder weiße Bohnen (getrocknet)
  • 1 Zwiebel
  • 1 Zehe Knoblauch
  • 2 EL gutes Öl
  • 400 g Maroni
  • ½ kg Kürbis (besonders gut passen Butternuss oder Hokkaido)
  • 1 kg Erdäpfel
  • 400 ml Gemüsebrühe
  • Gewürze: Mutterkümmel (Kreuzkümmel), Koriander, Kurkuma, Bockshornklee, Senfkörner gelb, Salbei, Fenchel, Paprika edelsüß, Salz, frischer Ingwer, Lorbeerblätter, Rosmarin … oder schlicht die Gewürzmischung „Curry süß“ von einer österreichischen Biomarke
  1. Bohnen über Nacht in Wasser einweichen
  2. spülen und ohne Salz mit reichlich Wasser im Druckkochtopf 20 Min. weichkochen (im normalen Topf 1 Stunde) – das Wasser soll 1 cm überstehen
  3. Kochwasser abgießen
  4. Kürbis und Erdäpfel klein schneiden
  5. Zwiebel und Knoblauch klein schneiden und in Öl anrösten
  6. Kürbis beigeben
  7. Gewürze dazu
  8. mit Gemüsebrühe aufgießen
  9. Bohnen, Maroni und Erdäpfel dazu und alles auf kleiner Flamme weich kochen (10 – 20 Minuten, je länger umso kräftigender). Wenn gewünscht, das Bohnen-Kochwasser mit verwenden.

Bis auf die Gemüsebrühe und die Gewürzmischung bekommt ihr alle Zutaten bei uns in der Food Coop! Für wen Reis bei einem Curry nicht wegzudenken ist: Sehr bald werden wir wieder italienischen Bio-Reis auf Lager haben, und zwar zu einem sehr günstigen Kilopreis.

von Clara Hablesreiter
Photo by Anastase Maragos on Unsplash

 

 

Experiment Fermentation

Gemeinsam mit einigen anderen in unserer Food Coop habe ich mich einem „solidarischen Landwirtschaftsbetrieb“ angeschlossen, der uns bei jedem Treffen mit unseren Ernte-Anteilen beliefert. Bauer Rudi Hoheneder hat unsere Abnahmegarantie und bekommt einen monatlichen Fixbetrag, und wir bekommen alles was sein Hof hergibt. Und das sind jetzt im Winter eben Kraut und Rüben.¹

Natürlich lieben wir Kraut und Rüben, sonst hätten wir uns erst gar nicht darauf eingelassen, aber bei den schwarzen Rettichen sind schon vereinzelt Staus zu beobachten. So habe ich mir gedacht, ich mache es Rudis Kollegin Greti Mayer nach und setze den kostbaren Überfluss zur Fermentation an.²

In meinen Kochbüchern und im Internet habe ich viele Rezepte gefunden.³ Schwarzer Rettich mit Vanille und Zimt erscheint mir doch ein wenig gewagt, und so habe ich mich für die unverfängliche Kombination Rettich + Rote Rübe + Steckrübe entschieden.

Hier alle Zutaten:

  • ca. 500 g Schwarzer Rettich + 350 g Rote Rüben und Steckrüben (gesamt 850 g)
  • 4 %ige Salzlake: 40 g Salz in 1 Liter Leitungswasser auflösen. (Üblicherweise verwendet man eine 5 %ige Lake, aber da ich Schwarzen Rettich verwende und dieser zuvor mit Salz bearbeitet wird, mische ich die Lake dünner.)
  • Behälter: Früher nahm man Holzfässer. Wer keines hat, kann einen Steingut-Gärtopf mit Wasserrille nehmen. Wer nicht mal einen Steingut-Gärtopf mit Wasserrille hat, kann ein Glas verwenden, am besten mit Bügelverschluss. Die sind so gemacht, dass Überdruck entweichen kann, aber kein Sauerstoff ins Glas gelangt.

Ablauf:

  1. Glas mit heißem Wasser reinigen
  2. Lake vorbereiten
  3. Die Rüben waschen – nicht mit heißem Wasser, ohne Spülmittel. (Nicht schälen! An der Schale befinden sich die nötigen Bakterien. Alternativ kann sie mit ins Glas gelegt werden.)
  4. Rettiche klein raspeln oder fein hobeln
  5. 2 EL Salz untermischen und eine halbe Stunde „weinen“ lassen. (dazwischen durchkneten)
  6. Noch einige Minuten kneten und austretende Flüssigkeit abgießen. Von den 500 g sind jetzt nur noch 290 g übrig.
  7. Rote Rüben und Steckrüben ebenfalls zerkleinern und zum Rettich mischen. (dies stellt sich als gar nicht so einfach, und ich nehme es nicht so genau, wie man im Bild sieht.)
  8. in die Gläser füllen, höchstens bis 2 cm unter dem Glasrand
  9. Mit Salzlake bedecken – sie sollte 1 cm über dem Gemüse stehen, und 1 cm unter dem Glasrand. Ich brauche nur 600 der vorbereiteten 1.000 ml.
    Leider erweist es sich in diesem Fall als unmöglich, das Gemüse unter Wasser zu drücken. Mir ist schleierhaft, wie man das fein geriebene Gemüse davon abhalten soll, zwischen den Gewichten hindurch nach oben zu schwimmen. Ich hoffe auf das Beste.
  10. Das Gemüse mit einem ausgekochten Gegenstand beschweren, damit es nicht obenauf schwimmt; sonst könnten Fäulniserreger Fuß fassen.
    Der Gegenstand kann aus Glas, Stein oder Keramik, aber keinesfalls aus Metall bestehen.
    Ich verwende zwei kleine gläserne Weck-Deckel; die mittelgroßen passen leider nicht durch die Öffnung. Es zeigt sich, dass die eckige Form des Fido-Glases ungünstig ist, weil die runden Gemüse-Beschwerer natürlich nicht in die Ecken reichen.
  11. Das Glas verschließen und bei Zimmertemperatur stehen lassen. Zur Sicherheit auf einen Untersetzer stellen, weil Flüssigkeit überfließen kann. Die ersten Tage der Fermentation sind Sturm-und-Drang-Zeit, es entweicht einiges an Gasen.

Das Gemüse
… muss unbedingt biologisch sein. Konventionell gedüngtes Gemüse reichert vermehrt Stickstoff-Verbindungen an, die die Milchsäure-Gärung gefährden.

Das Salz
… muss unraffiniert und frei von Zusatzstoffen sein.

Das Wasser
… darf nicht gechlort sein. Doch das ist bei österreichischem Leitungswasser – außer in seltenen Ausnahmefällen – ohnehin der Fall.

Bakterien im Essen – ??
Wir brauchen Bakterien! Das habe ich gleich im ersten Studienabschnitt gelernt, in den mikrobiologischen Übungen am Wiener Hygieneinstitut bei Dr. Manafi. Bakterielle Aktivität ist ein weitgehend verloren gegangener Wert in unserer Ernährung! Ursprünglich sprach man stets von sekundären Pflanzenstoffen, doch korrekterweise sollte von sekundären Lebensmittelinhaltsstoffen die Rede sein. Denn es gibt auch tierische: und zwar in fermentierten Milchprodukten. Die verdanken ihre gesunderhaltenden Effekte den Milchsäurebakterien, und ebendiese kommen beim Fermentieren von Gemüse zum Einsatz. (Und überhaupt gibt es auch sekundäre Pilzstoffe! Denn Pilze sind ja weder Pflanzen noch Tiere.)

Das fermentierte Gemüse ist aber nicht nur gesundheitlich, sondern auch kulinarisch „veredelt“. Es trägt – neben den Aromen des Ausgangsmaterials – viele neue Facetten, die über salzig und sauer weit hinaus gehen.

Rolle und Ansprüche von Milchsäurebakterien
Fermentation bedeutet, organische Materie mithilfe von Enzymen zu verändern. In diesem Fall geht es um Milchsäuregärung, wir benötigen also Milchsäurebakterien. Sie knabbern die (für uns unverdaulichen) Zellulose- und sonstigen Fasern in den Rüben an, verdauen sie und scheiden u.a. Milchsäure aus. So wird bei fortlaufender Fermentation zunehmend Säure angereichert, der pH-Wert sinkt. Die Milchsäurebakterien stört das nicht, andere Bakterien schon. Nachdem andere Bakterien hier unerwünscht sind, kommt uns das sehr zupass, denn die Milchsäurebakterien schaffen sich einen Lebensraum, in dem andere Mikroorganismen absterben. Die Milchsäurebakterien konservieren sich ihr Medium also selbst.

So wird die Gewebsstruktur gelockert, das Gemüse mürb und weich, während der Genuss von fermentiertem Gemüse in uns das Gegenteil bewirkt: Aus dem Gemüse werden reichlich Mineralstoffe und bioaktive Pflanzenstoffe verfügbar, die gewebsfestigend wirken! (Stichwort Cellulite) Das ist noch längst nicht alles – man müsste ein Buch schreiben über all die Vorzüge von Fermentiertem.

Milchsäurebakterien brauchen kein Salz zum Leben, aber sie vertragen es viel besser als andere Bakterien. Indem wir das Gemüse mit Salzlake ansetzen, werden also andere Keime von vorneherein ausgeschaltet.

Zeit des Wartens
Und jetzt hoffe ich, dass die Mühe nicht umsonst war – trotz aufschwimmender Rüben-Teilchen. Fortsetzung folgt!

Fermentieren_5

¹ Für einen kleinen Aufpreis bekommen wir auch „Wintergrün“, das sind würzige Asia-Salate und anderes frosthartes Blattgemüse.
² Greti Mayer bietet auch Fermentations-Kurse an! Nur finde ich dafür grad nicht die Zeit.
³ Sehr empfehlenswert das Buch der Ernährungswissenschafterin Rosemarie Zehetgruber: Praxishandbuch Natürlich Konservieren

Hirseloaberl & süßer Hirseschmarren

Gina hat ihr Standard-Rezept zusammengeschrieben, eine Eigenkreation. Sind fast ausschließlich Food Coop-Zutaten! (alle Food Coop-Lebensmittel sind fett gedruckt, bis aufs Gemüse – das hamma sowieso) 🙂

Hirseloaberl:
1 Tasse Hirse mit doppelter Menge Wasser ca. 20 Min. kochen und 10 Min. ziehen lassen. Auskühlen lassen und etwas salzen.
Mit 1 Ei und 1 Handvoll weißem Dinkelmehl sowie geriebenem Bergkäse vermischen. Wahlweise können auch geriebene Karotten/Zucchini o.ä. dazu gemischt werden.
Mit feuchten Händen Laibchen formen, ev. noch etwas Mehl beimengen. In Sesam oder Sonnenblumenkernen wenden.

In einer Pfanne Sonnenblumenöl erhitzen und die Laibchen darin auf beiden Seiten knusprig braten.

Dazu Schnittlauchrahm als Dip reichen, ev. Pfannengemüse oder Salat (am Bild Zuckerhut mit geriebenen roten Rüben und Ricotta mit Kernöl und Balsamico).

Rezept Gina

Süßer Hirseschmarren:
Tipp für Schleckermäuler! Die Hälfte der gekochten Hirse in einer Pfanne mit Butter braten. Mit Zimtzucker, Apfelmus oder, wie am Bild, mit Hollerkoch servieren – schmeckt allen Kindern!!!
Oder mit Zwetschkenröster mit Ebereschen, wie in diesem Rezept für Annona’s Herbsttröster-Nockerln (Link zum Rezept weiter unten im Text).
Rezept Gina süß

Backmischung „Food Coop-Weckerln“

Diese Backmischung wurde bei unserem Einstandsfest Anfang Oktober beim Gewinnspiel unter den Anwesenden verlost. Alle drei Exemplare gingen an Männer, die unserer coolen Coop trotz diesem Supergewinn (noch?) nicht beigetreten sind …
Alle Zutaten bis auf Salz, Zucker und Germ sind im Food Coop-Lager erhältlich.

  • ein 750 ml-Glas (z.B. die klassische Passata-Flasche)
  • 130 g weißes Dinkelmehl
  • 130 g Vollkorn-Dinkelmehl
  • 45 g Haferflocken
  • ca. 100 g beliebige Ölsaaten oder Nüsse, z.B. grob gehackte Hasel- oder Walnüsse, Kürbiskerne, Sonnenblumenkerne, Sesam, Leinsamen, Mohn
  • 1 TL Salz
  • 1 Prise Zucker
  • 1/2 Päckchen Trockengerm

Die letzten drei Zutaten vermischen und in eines der Mehle Backmischungmischen. Jetzt kann alles in die Flasche geschichtet werden. Ich beginne gerne mit einem der Mehle, weil man bei der ersten Zutat die Flasche noch schräg halten kann, dann geht das Hineinlöffeln etwas schneller. Die kleinen Mengen kommen im oberen Bereich, wo sich die Flasche verjüngt, optisch besser zur Geltung. Aber probierts selbst. 🙂
Die fertige Backmischung ist ein tolles Geschenk, v.a. wenn der Deckel mit einer Serviette und einem Stück Schnur geschmückt wird.

Dazu gehört natürlich noch folgende Backanleitung! Diese auf einen Zettel/ein Kärtchen schreiben und ans Glas binden oder kleben. Auch eine Zutatenliste sollte mitgereicht werden – falls jemand etwas nicht verträgt.

Bitte noch dazu geben:
180 ml Buttermilch und
180 ml Wasser, beides lauwarm

Alle Zutaten gut verrühren und den Teig zugedeckt an einem warmen Ort mindestens 2 Stunden gehen lassen. Inzwischen ein Muffinblech einfetten oder die Mulden mit Papier-Muffinformen oder mit kleinen Backpapier-Quadraten auslegen.

Aus dem Teig 10 – 12 Kugeln formen und in die Förmchen geben. Bei 180 °C mindestens 1/2 Stunde backen, bis sie goldbraun sind.

nordwood-themes-179239-unsplash_Backmischung

Photo by NordWood Themes on Unsplash

Grünkern-Karfiol-Gratin

In diesem Rezept wird meine Vorliebe für „Über-den-Daumen“-Rezepte deutlich. (In einer Rezeptesammlung habe ich dafür einmal die anheimelnde Bezeichnung „Gefühlsrezept“ gelesen.) Das Gericht hat sich eines Tages als Resteverwertung ergeben, darum weiß ich die Mengen selber nicht. Aber ich denke, wer ein bisschen kochen kann, wird schon zurecht kommen. Ansonsten gibts die Kommentar-Funktion! Gutes Gelingen! 🙂

Grünkern wie Reis kochen, danach salzen. Ich koche ihn im Druckkochtopf mit der 1,5-fachen Menge Wasser. Anschließend mit dem Pürierstab ein wenig anpürieren, dann wird er schön cremig.
Karfiol separat knapp weich kochen. Ev. Karottenstücke o.a. mitkochen, dabei aber bedenken, dass der Karfiol sehr schnell weich wird.

Überguß: Schlagobers, geriebenen Käse, Eier, Brösel, Salz, Pfeffer verquirlen.

Eine Form mit Butter oder Öl ausfetten, 2/3 des Grünkerns darauf verteilen, Karfiol-Röschen gleichmäßig auf dem Grünkern verteilen, restlichen Grünkern obenauf. Mit dem Überguß bedecken und Zwiebelringe drüberstreuen. Bei 180 °C für mind. 30 – 45 Minuten backen, je nachdem wie hoch das Ganze geworden ist.
Guten Appetit & liebe Grüße,
Gerit

Schneller Apfel-Mohn-Kuchen

Alle Zutaten für dieses Rezept bekommen wir bei unseren Bäuerinnen und Bauern. Nur für die Nüsse machen wir Kompromisse.
Viel Spaß! Eure Gerit

6 Eier
200 g Honig
200 g Öl (ich nehme am liebsten Sonnenblumenöl)
200 g Mohn (ganz oder im Mixer zerkleinert)
200 g geriebene Nüsse
2 Äpfel

Alle Zutaten außer den Äpfeln 5 Minuten rühren.

Die Äpfel in Spalten schneiden, Butzen entfernen. In dicke Scheiben oder Stücke schneiden und in den Teig mischen. Oder in der Form obenauf legen. Oder beides.

Die Masse in eine beliebige gebutterte und gebröselte Form geben. 45 Minuten bei 180 °C backen.

vor dem Backen

Varianten:

  • Noch einfacher ist es, den Kuchen nicht in der Kuchenform zu backen sondern in Weck-Gläsern. Die muss man weder fetten noch bröseln, sondern kann den Teig gleich so einfüllen. Ohne Deckel backen. Wenn der Kuchen fertig ist, überstehenden Teig bei Bedarf wegschneiden, nasse und abgeschüttelte Dichtungsringe und Deckel drauf, mit Klammern fixieren und auskühlen lassen. Im Kühlschrank 1 – 2 Wochen haltbar.
    Kuchen im Weckglas kann man auch mit Deckel backen (= „einwecken“), dazu bitte genaue Angaben selber suchen! Eingeweckter Kuchen kann viel länger gelagert werden als offen gebackener.
    Kuchen im Weck-Glas kann man auch nach dem Backen noch einwecken (= sterilisieren). Er wird dadurch nochmal aromatischer und richtig lang haltbar.
  • Nach Wunsch kann man die geriebenen Nüsse 1:1 durch (Vollkorn-)Mehl ersetzen. Dann brauchts aber ev. etwas Backpulver.
  • Öle: Alle Nussöle bieten sich an, auch Kürbiskernöl. Pflaumenkernöl schmeckt intensiv nach Marzipan und sollte mind. 1:1 mit etwas Neutralerem kombiniert werden. Kokosöl geht natürlich auch, ich mags aber lieber regional – Stichwort ökologischer Fußabdruck.
  • Statt Öl kann man auch Butter nehmen, dann aber um die Hälfte mehr: 300 g zimmerwarme Butter flaumig rühren, dann nach und nach Honig (oder Zucker) und Eier dazu. Dann der Rest.
  • Der Kuchen lässt auch ohne Gewürze keine Wünsche offen, aber mit Zimt, Salz, und Vanille wird er noch aromatischer. Besonders weihnachtlich: Piment, Gewürznelke, ev. Ingwer, oder gleich eine Lebkuchengewürzmischung.

Solidarische Food Coop

Letzten Samstag waren Rudi Hoheneder und Greti Mayer vom Fermentarium in unserem Food-Lokal und haben uns mit viel Grün ihre solidarische Landwirtschaft schmackhaft gemacht. Junge Asia-Salate, Winterheckenzwiebel und andere Winter Greens wurden verkostet – frisch, eingelegt und fermentiert. Für uns hat sich eine Welt aufgetan. Frischgemüse im Winter ohne ökologische Nachteile! „Immunsystem zum Essen“, wie Rudi es nennt!

Damm sei Dank
Auf Rudis Hof wachsen neben bekannten auch sehr ungewöhnliche Gemüsesorten, die er in Dammkultur anbaut, einer Methode, die ein wenig an Permakultur erinnert und vorrangig das Bodenleben nährt. Die Gemüsepflanzen mögen das und gedeihen prächtig, auch im Winter! Ohne Glashaus, Bewässerung, Unkrautjäten oder -vergiften, ohne Fräsen, ohne kommerzielle Dünger oder gar Beheizung. Im Damm entsteht – so wie man einen Sauerteig gehen lässt – nach und nach ein Mikroklima und eine Mikro-Flora und -Fauna, durch die sich die optimalen Nährstoffe, Temperatur und Feuchtigkeit für die Pflanzen von selbst einstellen.

Mikrokonservierung
Greti Mayer ist für die Haltbarkeit zuständig. Sie verarbeitet Rudis Luxusgemüse zu Pesti, Kimchi und anderem Fermentiertem, und wir durften von allem kosten. Die  Mikroorganismen, die für die Haltbarwerdung sorgen, sind keineswegs gekaufte Kultur-Bakterien, sondern stellen sich lokal aus dem Boden und aus der Luft von selber ein. Naturbewuchs sozusagen.

Luxusgemüse für alle
Schade, dass die meisten, die gestern bei der Food Coop dabei waren, alles verpasst haben, weil sich Rudi und Greti markt- und verkehrsbedingt verspätet haben. Wenn wir aber beschließen, als Food Coop Ernteanteile zu kaufen, können alle Foodies und Tauschis hie und da unser Grünzeug abholen und bei der Gelegenheit den Hof  besuchen! Oberstockstall am Wagram ist nur 20 Autominuten von Tulln entfernt. 🙂

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Gerit mit Zuckerhut

P.S.: Tini Granzer, danke fürs Fotografieren!! 🙂